Thema und Adressatenkreis

Hausärztin oder Hausarzt zu sein ist für die meisten, die es sind, noch immer der schönste Beruf der Welt: abwechslungsreich und faszinierend, direkt am Menschen und als Basis unseres Gesundheitssystems eine gesellschaftlich eminent wichtige und persönlich erfüllende Aufgabe. Trotz feuriger Bekenntnisse an die Adresse angehender Ärzte fehlt es in der Grundversorgung dramatisch an Nachwuchs. Ist die Hausarztmedizin wirklich so wenig attraktiv?

Nicht wirklich. Aber während manche der Anforderungen und Kompetenzen im Pflichtenheft eines Hausarztes wie diejenigen an einen verlockenden Top-Manager-Job klingen – fachübergreifendes medizinisches Know-how, hohe Sozialkompetenz, Vermittlerqualitäten und ein präzises und kosteneffektives Arbeiten – sieht die Realität anders aus: geringe Anerkennung sozial wie finanziell, hohe zeitliche Belastung, zu wenig spezifische Aus- und Weiterbildungsangebote und Strukturprobleme bei der Umstellung von der Einzel- zu Gruppenpraxen. Weil Anspruch und Wirklichkeit mittlerweile weit auseinander klaffen, droht möglichweise ein ganzer Berufsstand in wenigen Jahren auszusterben, falls dieser – und hierin liegt die Chance – nicht durch neue Visionen, Perspektiven und Sicherheiten zu neuem Leben erweckt wird.

Die Initiative «Ja zur Hausarztmedizin» hat diese Missstände ins Blickfeld einer breiten Öffentlichkeit gerückt. Der von Bundesrat Alain Berset ins Leben gerufene Masterplan «Hausarztmedizin und medizinische Grundversorgung» will die berechtigten Anliegen der Initiative möglichst rasch angehen. Die Hausarztmedizin soll als Dreh- und Angelpunkt der Grundversorgung gestärkt werden. Wie geht es jetzt konkret weiter?

Am 16. Mai 2013 findet in Bern auf Anregung des Bundesamts für Gesundheit eine nationale Tagung zum Thema «Hausarztmedizin – eine attraktive Disziplin mit Zukunft» statt. Diese spricht alle Beteiligten an, die Rolle des künftigen modernen Hausarztes zu formulieren: BAG, Gesundheitsdirektorenkonferenz, Hausärzte, Politiker, Pflege, Spitex und Patientenorganisationen, Gemeinden und Städte.

Am Beispiel erfolgreich etablierter medizinischer Versorgungsmodelle in Ländern wie Grossbritannien wollen wir herausfinden, welche Herausforderungen es in der Schweiz zu überwinden gilt, um die Zukunft der Hausarztmedizin erfolgreich aufzugleisen. Wie wird die medizinische Grundversorgung der Zukunft in der Schweiz aussehen? Wer wird welche Aufgaben übernehmen? Welche Auswirkungen wird der Skillmix für die verschiedenen Partner in der Grundversorgung mit sich bringen? Gerne möchten wir dabei Ihnen – sei es als direkt involvierte Berufsgruppen, Mitgestalter oder Netzwerkpartner – in den Foren das Wort erteilen.

Wir freuen uns auf Beiträge und Anregungen und natürlich auf Sie!

Mit freundlichen Grüssen

Dr. Catherine Gasser
Bundesamt für Gesundheit
Michael Jordi
Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen
und -direktoren GDK